Ein beinahe vergessenes Kapitel Pappenheimer Handwerksgeschichte ist jetzt in der Arkade an der Stadtvogteigasse wieder sichtbar geworden. Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. (HGV) hat dort ein neues Ausstellungsfenster gestaltet, das der Pappenheimer Burg-Keramik gewidmet ist. Zu sehen sind kunstvoll bemalte Stücke aus einem Handwerksbetrieb, der in der Nachkriegszeit für rund elf Jahre zum Pappenheimer Geschäftsleben gehörte.
Arrangiert wurde die Ausstellung im Arkadenfenster von der Pappenheimer Künstlerin Birgit van der Gang, die den historischen Exponaten einen ansprechenden Rahmen gegeben hat. Zur Eröffnung der kleinen Ausstellung konnte die HGV-Vorsitzende Renate Prusakow gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Daniel Hardy interessierte Gäste begrüßen. Besonders freuten sich die Verantwortlichen über den Besuch von Stadträtin Stefanie Glück und Marcus Wurm.
Im Mittelpunkt des Treffens stand allerdings eine Pappenheimerin, die über die Burg-Keramik nicht nur aus historischen Quellen berichten kann. Inge Held hat diese besondere Epoche der Stadtgeschichte selbst miterlebt. Nach ihrer Schulzeit vertiefte sie ihre künstlerische Begabung im Betrieb von Eduard Roesner und absolvierte dort eine vierjährige Lehrzeit als Porzellanmalerin.
Roesner, der aus Buchau stammte, hatte den Betrieb nach dem Krieg zunächst auf der Pappenheimer Burg eingerichtet. Im ehemaligen Logenhaus, das einst von der Freimaurerloge „Karl zur Treue“ genutzt worden war und später als Standesamt diente, wurden Porzellan und Hafnerware von Hand bemalt und anschließend gebrannt. Später verlegte Roesner seinen Betrieb von der Burg in die Innenstadt. Neue Arbeitsräume fand die Burg-Keramik im Obergeschoss der damaligen Bäckerei Auernhammer in der Deisingerstraße 21.
Mit Geschick, Geduld und einem sicheren Gespür für Farben und Formen entstanden dort Blumenmotive, Ornamente und andere dekorative Darstellungen. Eine Besonderheit sind die Signaturen auf der Rückseite mancher Stücke. Mit ihren Kürzeln machten die Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten als persönliche Handarbeit kenntlich. Überliefert ist beispielsweise das Kürzel „JN“ für Jana Newa.
Viele dieser Arbeiten haben die Jahrzehnte überdauert und sind bis heute in Pappenheimer Familien erhalten geblieben. Damit sind sie weit mehr als dekorative Erinnerungsstücke. Sie erzählen von einem kleinen Betrieb, der Handwerk und künstlerischen Anspruch miteinander verband und jungen Pappenheimerinnen die Möglichkeit bot, die Porzellanmalerei zu erlernen.
Ganz neu ist die Wiederentdeckung der Burg-Keramik allerdings nicht. Bereits im Juni 2013 hatte das damalige Straßenmuseum Pappenheim gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsverein zahlreiche Erzeugnisse dieses besonderen Pappenheimer Kunsthandwerks gezeigt. Viele Stücke waren damals von Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt worden. Auch Inge Held berichtete seinerzeit als Zeitzeugin von ihrer Arbeit in der Werkstatt.
Mit dem neuen Ausstellungsfenster in der Stadtvogteigasse holt der HGV dieses Stück Pappenheimer Geschichte nun erneut ins öffentliche Bewusstsein. Und gerade die persönlichen Erinnerungen von Inge Held machten bei der Eröffnung deutlich, dass hinter den ausgestellten Stücken nicht nur ein fast vergessenes Gewerbe steht, sondern auch die Geschichte der Menschen, die dort mit Können und künstlerischem Gespür gearbeitet haben.
Titelfoto: Marcus Wurm